Autor Thema: MB-Uhr aus TANTAL !  (Gelesen 1601 mal)

ameyse

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MB-Uhr aus TANTAL !
« am: 16. April 2006, 09:42:04 »
Liebe Forumsmitglieder,
Auf der animierten Webseite von MB ist unter ANNIVERSARY EDITIONS > Watches schon seit einigen Wochen eine Armbanduhr / Chronograph mit einem Gehäuse aus Tantal zu sehen. Doch Montblanc ist nicht der erste Hersteller, der Tantal für Uhrengehäuse verwendet. Hublot (1910) und Audemars Piguet (Royal Oak) waren vorher damit am Markt.
Dieses Metall dürfte vielen ein wenig rätselhaft oder gar \"geheimnisvoll\" vorkommen, da es sich nicht, so wie die weit bekannteren Edelmetalle (Gold, Platin...), in den Vordergrund drängt. Dieses \"Geheimnis\" versuche ich nun ein wenig zu lüften.
Tantal ist, um es gleich voran zu stellen, kein Edelmetall - obwohl sein Preis von ca. 1 Euro/Gramm dies vermuten ließe. Es steht im sog. Periodensystem der Elemente an 73. Stelle, direkt neben seinem \"prominenteren\" Nachbarn Wolfram (74). Der Name kommt aus der griechischen Mythologie: der arme Tantalos mußte gefesselt in der Unterwelt schmachten und konnte sich nicht an den ihn umgebenden Köstlichkeiten laben. Bei der Entdeckung des Minerals welches Tantaloxid enthielt, versuchte man vergeblich dieses in Säure zu lösen, was den Entdecker auf die Namensgebung brachte.
Dies ist auch der Hinweis darauf, daß es alles andere als einfach ist, das Metall herzustellen. Viele komplizierte und energieintensive Schritte und Trennungsstufen sind notwendig, bis man das reine Metall vor sich hat. Daraus erklärt sich auch dessen hoher Preis, ca. der 3-fache des Silbers und ein Zehntel des Goldes.
Tantal (Ta) schmilzt bei knapp über 3000°C (3017°) und hat eine Dichte von ~16,7 g/cm³, ist somit deutlich schwerer als das vielzitierte Blei, und die Mohshärte von 6,5 reicht fast an jene des bei unseren Federspitzen verwendeten Iridiums (7,0) heran. Etwa 0,012% des Tantals sind schwach radioaktiv *), aber keine Angst: in einem Kilo Ta findet nur alle 2¼ Minuten ein (ß-) Zerfall statt. Auf dem Foto kann man vielleicht den etwas violettstichigen Glanz des Tantals erahnen.

Von links nach rechts: ein Stück Ta-Draht, ein ¼-zölliges Hochdruckrohr, einen Ta-Rundstab (Gewicht: 330 Gramm!), einen Ta-Axialkondensator und einen Ta-Tropfenkondensator. Die Batterie (Zelle) dient nur zum Größenvergleich.
Der hohe Preis des Schwermetalles Tantal schränkt natürlich dessen Verwendung ein, dennoch wird es im Chemiebereich dort eingesetzt, wo andere Metalle \"schlapp\" machen würden. Man kann hochkorrosive Gase wie Stickoxide, unter Druck und hoher Temperatur durch Ta-Rohre leiten. Selbst Königswasser (= Mischung aus Salzsäure und Salpetersäure), das Gold und Platin recht \"alt\" aussehen läßt, vermag Tantal nichts anzuhaben! Diese außerordentliche Korrosionsfestigkeit ist bedingt durch eine Tantaloxidschicht, die sich auf der Oberfläche von selbst bildet und das Metall vor weiterem Angriff sehr wirksam schützt. Die verbreitetste Anwendung von Ta ist in der Elektronik: Mobiltelefone, Computerplatinen, HiFi-Geräte, Playstations etc., in allen befinden sich zahlreiche Ta-Kondensatoren, die z.T. kleiner als ein Stecknadelkopf sind. Man kann damit bei sehr geringen Baugrößen relativ große Kapazitätswerte erzielen. Außerdem diente Tantal früher als Material für chirurgische Implantate, man verwendet heute bevorzugt das leichtere und preiswertere Titan.
In jüngster Zeit ist dieses Metall seitens international aktiver Gruppierungen wie Attac und Greenpeace sehr in die Kritik geraten. Im Nordosten des Kongo (Zaïre) liegen bedeutende Lagerstätten des Minerals \"Coltan\" (= Kunstwort aus Columbit und Tantalit), lokale Kriegsfürsten und deren Partisanenverbände (Kindersoldaten!) liefern sich schwere Kämpfe um dieses an Rohstoffen reiche Gebiet, siehe auch: http://www.welt.de/daten/2001/12/09/1209au301273.htx **)
So, nun will ich\'s mal damit belassen mit dem Thema \"Tantal\",
aber nicht ohne Euch allen noch schöne Feiertage zu wünschen.
Viele Grüße, Armin



*) bei weiteren Fragen hierzu bitte e-mail
**) dies gilt als Anregung zu eigenen Recherchen, es ist keine politische Stellungnahme meinerseits.

Post edited by: ameyse, at: 2006/04/16 09:43