Autor Thema: Eine Spur von gutem Benehmen. Bericht in der WamS vom 28.08.2005  (Gelesen 20919 mal)

rudi

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Re:Eine Spur von gutem Benehmen. Bericht in der WamS vom 28.08.2005
« Antwort #15 am: 30. August 2005, 09:40:32 »
Ragman wrote:
Zitat
Nun stellt sich die Frage, wenn Dr. Jansen die Probleme in Bezug auf die Eisengallustinten aufzeigt (säurehaltig...) und zugleich Montblanc-Tinten als unproblematisch verwendbar einstuft, wie verhält es sich dann mit blauschwarzen Tinte von MB, die laut Hersteller eisengallushaltig ist ?

Wer weiß Rat...

Das würde mich auch mal interessieren

Ich verwende in meinem 1 Jahr alten MB 146 die blauschwarze Tinte von Montblanc und spüle zwischen jedem Neubefüllen den Füllhalter mit Wasser ordentlich durch. Soll ich besser zu einer Tinte ohne Eisengallus wechseln?

Wäre interessant, eine Stellungnahme von Montblanc hierzu zu erhalten.

P.S. Dank an Alex, dass er die sehr interessante Korrespondenz uns hier zur Verfügung stellt.

Post edited by: rudi, at: 2005/08/30 09:42

Ragman

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Re:Eine Spur von gutem Benehmen. Bericht in der WamS vom 28.08.2005
« Antwort #16 am: 30. August 2005, 12:02:15 »
Hallo Forumsteilnehmer,
hallo Alex,

nochmals besonderen Dank an Dich Alex für Deine interessanten Recherchen und die freundlichen Bemühungen.

Der Verweis auf die heutigen Standardtinten ist für mich leider keine Lösung, weil für meine Zwecke (u.A. anwaltliche Tätigkeit) eine gewisse Form der \"Dokumentenechtheit\" zwingend ist. Insoweit gibt gerade MB auf der Verpackung der blauschwarzen Tinte mit an \"for documents\". Auch wenn es hier an einer ISO-Norm fehlt, wären diese Beständigkeitsqualitäten (die auch noch Pelikan blauschwarz in ähnlichem Rahmen mitbringt, vom Hersteller aber ausdrücklich nicht als dokumentenecht gekennzeichnet) für die Verwendung in meinem Fall zwingend bzw. das Minimum.
Ansonsten bliebe mir letztlich dann doch nur der Wechsel zum Kugelschreiber. Versuche mit den anderen üblichen Standardtinten zeigen einfach eine zu große Empfindlichkeit gegen Feuchtigkeit, Flüssigkeiten und gegen Lichteinstrahlung.

Was mich das Risiko von Eisengallustinten für Kolbenfüllhalter aber etwas gelassener sehen lässt, ist der alte MB 342-Füllhalter meines Vaters aus den 50er Jahren (an sich gehöre ich ja nicht zur MB-Fraktion). Dieser wurde in der Buchhaltung sowohl mit Eisengallustinte als auch mit Füllhaltertusche einige Jahre intensiv benutzt (halbflexible M-Feder mit Ebonit-Tintenleiter). Nachdem das gute Stück dann jahrzehntelang ein Schattendasein in diversen Schubladen fristete, reichten eher kleinere Überholungsarbeiten für eine Inbetriebnahme aus (Ultraschallreinigung die Tinten- und Tuschereste beseitigte - das Tintensichfenster war zuvor komplett undurchsichtig!, Politur, Ölung der Gewinde mit Ballistol). Insbesondere Dichtungen wurden nicht ausgetauscht. Dennoch funktioniert der Füllhalter tadellos und macht nach nunmehr rund 6 Monaten Nutzung mit MB blauschwarz bisher keine Probleme.

MfG

Ragman (der dann bald doch wieder zum Kugelschreiber greift ??? );)

areich

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Re:Eine Spur von gutem Benehmen. Bericht in der WamS vom 28.08.2005
« Antwort #17 am: 30. August 2005, 12:25:22 »
Hallo Ragman und Rudi,

also Panikmache sollte das Thema bestimmt nicht auslösen. Wer Anwaltstätigkeiten nachgeht, sollte, oder besser müsste, natürlich bei der eisengallushaltigen \"dokumentenechten\" Tinte verweilen. Der \"mögliche\" Schaden am Füller ist wohl nur bei einem Sammlerstück, das ab und an genutzt wird, zu bedenken, nicht beim Gebrauchsfüller für jeden Tag. Hinzu kommt noch, daß man unter keinen Umständen Eisengallustinten von damals und heutige eisengallushaltige Tinten miteinander verwechseln oder gleichstellen sollte, nur echte Eisengallustinten nach altem Rezept sind für sämtliche Füllhalter überhaupt nicht geeignet. Und, falls der Tintenleiter wirklich mal nach vielen Jahre Schaden nehmen sollte, ist der Schaden im Vergleich zur Nutzzeit und dem Dienst, den der Füllhalter bis dahin erfüllt hat, als gering anzusehen. Den Repräsentationszweck lasse ich jetzt mal außen vor. ;)

Für alle peniblen Kritiker noch so viel:
Sogenannte \"dokumentenechte Tinten\" sind im wahren Sinne nicht wirklich dokumentenecht, erreichen technisch gesehen nur einen  erheblich \"dokumentenechteren Grad\" (sage das zum allg. Verständnis mal so, obwohl der Begriff \"dokumentenechterer Grad\" natürlich nicht fachmännisch ist)! Wie Herr Dr. Jansen schon klarstellte, ist die einzige wirklich dokumentenechte Tinte die echte Goldtinte von Nanosolutions Hamburg, da dieses zur Tinte verarbeitete Gold (erst nach Trocknung) weder auf Licht noch Wasser reagiert und zudem keinerlei altersabhängige Veränderungsstufen durchläuft. Zu diesem Thema habe ich größere Recherchen durchgeführt und werde diese demnächst auch veröffentlichen.

Grüße
Alex

 

:silly: :lol: ;) B) :laugh: :pinch: :blush:

Post edited by: areich, at: 2005/08/30 12:52
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penparadise

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Re:Eine Spur von gutem Benehmen. Bericht in der WamS vom 28.08.2005
« Antwort #18 am: 30. August 2005, 12:55:43 »
Moin zusammen,

Ich kann und will hier nicht auf die chemische Zusammensetzung von Tinten eingehen. Erstens verstehe ich nichts davon und zweitens ist es m.E. auch gar nicht wichtig, weil man auch anders an die Sache herangehen kann.

Dr. Franz-Josef Jansen ist wohl eine der kompetentesten Personen für Tinten. Er ist Sammler historischer, handgeschriebener Bücher und weil er diese Bücher auch selber restaurieren wollte, ist er in die Erforschung alter Tintenrezepte eingestiegen. Als \"Abfallprodukt\" hat er dann auch Tinten für Füllfederhalter entwickelt.

Bei der Verwendung von säurehaltigen Tinten für Füllfederhalter (fälschlicherweise manchmal auch als Tuschen bezeichnet) besteht nicht nur die Gefahr einer nachhaltigen Beschädigung des Tintenleitsystems und sämtlicher Dichtungen im Füllfederhalter, sondern auch einer langfristigen Zerstörung des beschriebenen Schriftgutes (Stichwort Tintenfraß) welches insbesondere bei Eisengallustinten auftreten kann.

Fazit:

Als füllfederhaltergeeignete Tinte (für Dokumente und Notariate) kann ich heutzutage NUR die Montblanc Tinte blau/schwarz empfehlen. Die von Montblanc zugesicherte Eigenschaft \"for documents\" ist eine rechtlich verbindliche, zugesicherte Eigenschaft und wäre bei Nichterfüllung dieser zugesicherten Eigenschaft regressfähig. Bei allen anderen Anbietern wäre ich bezüglich einer Langfristigkeit eher skeptisch, ob dieser Anbieter dann noch in vielen Jahren in Regress genommen werden könnte. Montblanc wird es sicherlich noch in 50 oder 100 Jahren geben.

Dies ist für mich Sicherheit genug, um für dauerhafte Schriften nur Montblanc blau/schwarz zu empfehlen und allen anderen Experimenten oder Aussagen oder, oder ... eine Absage zu erteilen. Alles andere ist für mich nicht wichtig, weil das Problem damit gelöst ist. (Gibt es nicht Wichtigeres oder Schöneres, womit wir uns die Zeit vertreiben können? ;) )

Besten Gruß,
Axel

Post edited by: penparadise, at: 2005/08/30 14:26
LG Axel

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penparadise

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Re:Eine Spur von gutem Benehmen. Bericht in der WamS vom 28.08.2005
« Antwort #19 am: 30. August 2005, 12:55:48 »
... das mit dem \"... eisengallushaltig\" bei Montblanc blau/schwarz war mir :S bislang nicht aufgefallen. Es soll aber wohl darauf hinweisen, dass der Anteil eher gering ist.
Wie sich dieses jedoch auf toxologische Vorschriften z.B. in den USA auswirkt, weiss ich nicht. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass dort andere Tintenzusammensetzungen angeboten werden - vielleicht wird da nur ein anderer Beipackzettel beigelegt?

Sorry,
Axel

Post edited by: penparadise, at: 2005/08/30 13:24
LG Axel

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rudi

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Re:Eine Spur von gutem Benehmen. Bericht in der WamS vom 28.08.2005
« Antwort #20 am: 30. August 2005, 13:11:35 »
penparadise wrote:
Zitat
wie kommt Ihr darauf, dass die Montblanc Tinte Eisengallus enthält?

Ich darf vom Beipackzettel, der bei meiner Montblanc Tinte Blauschwarz beilag, zitieren:

...für alle Facetten der Individualität. Folgende Farben sind erhältlich: Schwarz, Königsblau, Rubinrot, Bordeaux, Smaragdgrün, Türkis, Blauschwarz (dokumentenecht, eisengallushaltig). Das Montblanc Tintenglas besitzt eine spezielle...\"

Gruß

P.S. Mußte meinen 146er wieder befüllen und beim Reinigen ist mir aufgefallen, dass der Kolben zuerst schwer geht, so als ob er \"festbacken\" würde. Nach mehrmaligem Spülen mit Wasser läuft er leichtgängig wie am Anfang.
Kann das von der blauschwarzen MB Tinte kommen?

Post edited by: rudi, at: 2005/08/30 14:44

Ragman

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Re:Eine Spur von gutem Benehmen. Bericht in der WamS vom 28.08.2005
« Antwort #21 am: 30. August 2005, 16:16:37 »
Hallo Forumsteilnehmer,
hallo Rudi,

ich denke nicht, dass die blauschwarze MB-Tinte besondere Probleme in Bezug auf die Schwergängigkeit des Kolbens verursacht. Bei den folgenden Kolbenfüllhaltern traten bei mir insoweit noch keine Probleme auf: Pelikan 400, Toledo 1931, MB 342.

MfG

Ragman

rudi

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Re:Eine Spur von gutem Benehmen. Bericht in der WamS vom 28.08.2005
« Antwort #22 am: 30. August 2005, 17:21:37 »
Ragman wrote:
Zitat

ich denke nicht, dass die blauschwarze MB-Tinte besondere Probleme in Bezug auf die Schwergängigkeit des Kolbens verursacht

Es ist bei mir nur im ersten Moment, d.h. der Füllhalter ist leer und ich \"öffne den Kolben\" und genau der erste Dreher hängt bisschen, als ob er eben festbackt.

Danach läuft wieder alles wunderbar und das Tintenfenster wird immer wieder glasklar.

penparadise

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Re:Eine Spur von gutem Benehmen. Bericht in der WamS vom 28.08.2005
« Antwort #23 am: 30. August 2005, 21:13:17 »
Hallo Rudi,

keine Bange, das kann Dir mit (fast) jeder Tinte passieren und hat nichts mit blau/schwarz zu tun. Wenn man nicht häufig (z.B. weniger als ein Mal im Monat) füllen muss und den Füllfederhalter überwiegend mit der Feder nach oben lagert oder transportiert, so dass immer Tinte hinten an der Kolbendichtung ist, dann kann das von Dir beobachtete Phänomen vorkommen. Ist aber wirklich nichts schlimmes, solange man keine Gewalt aufwenden muss.

Wenn jedoch die Tinte über Jaaahre im Tank festtrocknet, dann wäre es besser, es wäre eine wasserlösliche, königsblaue Tinte gewesen ...

Es ist aber grundsätzlich anzuraten, dass man vor Wiederbefüllung des Tintentanks immer einmal mit Wasser durchspült, da immer ein gewisser Austrocknungsprozess vorkommt, bei dem die Flüssigkeit verdunstet aber die Farbpartikel im Tank bleiben.  Füllt man einfach nur Tinte nach, ergibt sich eine immer stärkere Konzentration von Farbpartikeln und wenn die Sättigung zu hoch wird, wird die Flüssigkeit zu dick und läuft nicht mehr anständig durch das Tintenleitsystem.

Bei richtig eingetrockneter Tinte kann man allerdings mit Wasser nur wasserlösliche Farbpartikel wieder lösen. Bei Königsblau gibt\'s da keine Probleme, selbst nach 50 Jahren nicht. Aber bei allen anderen Farben muss dann eine mechanische Reinigung erfolgen. Ultraschall hilft da auch nur bedingt.

Am Besten ist es also, täglich zu schreiben. Je häufiger man einen Füllfederhalter benutzt, um so besser wird er erhalten. \"Schonen\" und \"nur für besondere Anlässe\" ist also genau das Falsche für einen guten Füllfederhalter.

Besten Gruß,
Axel
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penparadise

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Re:Eine Spur von gutem Benehmen. Bericht in der WamS vom 28.08.2005
« Antwort #24 am: 30. August 2005, 21:16:19 »
... irgendwie habe ich das Gefühl, dass wir hier ziemlich vom Ausgangsthema weggekommen sind.

Sorry :( , aber interessant war\'s trotzdem!

Tschüß und gute Nacht für heute,
Axel
LG Axel

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