Autor Thema: Eine Spur von gutem Benehmen. Bericht in der WamS vom 28.08.2005  (Gelesen 20914 mal)

hotap

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Hallo zusammen,

in der heutigen Ausgabe der Welt am Sonntag befindet sich in der Rubrik „Stil“ eine kleine Liebeserklärung?! fürs Schreiben mit der Hand.
Füllfederhalter, Schreibpapier, kurze Historie, etc.
Hier der Link: http://www.wams.de/data/2005/08/28/765278.html

Im Bericht selbst sind in einem extra Kästchen, unter der Überschrift „Die schönsten Schreibhilfen“ mit kleinen Fotos und Text folgende Artikel abgebildet.
Stiftetui aus Schlangenleder – Bethge HH,
MB Meisterstück 149,
GEA von Montegrappa,
Buch Schriftstücke – Gerstenberg Verlag,
Briefbeschwerer „Bulldogge“ – Bethge HH,  
Briefpapier „Engine Turned“ von Asprey,
Mini-Sekretär von Smythson für ca. schlappe 1.600 Euro.

Euch allen noch einen schönen, hoffentlich sonnigen, Restsonntag.
Günter

Post edited by: hotap, at: 2005/08/28 08:59

areich

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Re:Eine Spur von gutem Benehmen. Bericht in der WamS vom 28.08.2005
« Antwort #1 am: 28. August 2005, 12:23:21 »
Hallo alle Sammler,

Zitat
Auch hierzulande lebt der bereits für antiquiert gehaltene Brauch, sich mit einem Kärtchen zu bedanken, wieder auf. Ein \"Danke\" auf einer Visitenkarte? Ein Fauxpas! Nein, nur der Name sollte auf einer Dankkarte stehen: als Stahlstich oder in erhabener Lackschrift auf Bütten mit Wasserzeichen und geprägtem Rand. \"12 mal 8 Zentimeter das Herrenmaß, Damen drücken Worte der Verbundenheit auf etwas kleineren Karten aus\", heißt es in einer Münchner Papeterie.


Kann mir jemand hierzu mehr sagen (Erfahrungsberichte), bzw. mir eine gute Adresse in NRW (oder bei vorhandenem Onlineshop auch weltweit) anhand geben. Habe mich, bei allem Interesse für verschiedene Büttenpapiere, um dieses Thema noch nie gekümmert, finde es aber äußerst interessant. Vor allem ein leeres Kärtchen (ähnlich einer Visitenkarte, aber nur mit Namen wie oben erwähnt in Lackschrift oder Stahlstrich) aus edlem Bütten mit erhabenen Wasserzeichen.

Viele Grüße
Alex
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setfocus01

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Re:Eine Spur von gutem Benehmen. Bericht in der WamS vom 28.08.2005
« Antwort #2 am: 28. August 2005, 13:16:50 »
B) Also das Büttenpapier gibt es ja handgeschöpft oder maschinengefertigt. Bei Bedarf kann ich etliche Hersteller angebeben. Nun fehlt aber noch der Stahlstich . Da wird es wesentlich schwieriger. Gute und vor allem relativ günstige Hersteller sind z.B Hannovera (Hannover) oder ein Betrieb in Basel. Der Stahlstich (Vor- und Zuname) mit ca. 100 Karten wird bei ca. 150-200 Euro liegen. Weiter Infos kann ich geben.
Bye Stefan

areich

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Re:Eine Spur von gutem Benehmen. Bericht in der WamS vom 28.08.2005
« Antwort #3 am: 28. August 2005, 13:51:52 »
Hallo Stefan,

danke für die 1. Infos.
Mit exklusivem Büttenpapier kenne ich mich mittlerweile ziemlich gut aus, ist eins meiner großen Hobbies. Nur die Kärtchen mit Lackschrift oder Stahlstrich habe ich nie gesehen, nur als vollständige Visitenkarten, und die brauche ich nicht mehr.
Wenn Du mir also eine Adresse für speziell diese Kärtchen geben könntest, würdest Du mir sehr helfen. Prantl in München habe ich diesbezüglich mal angemailt.  B)

Liebe Grüße aus Solingen
Alex
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hotap

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Re:Eine Spur von gutem Benehmen. Bericht in der WamS vom 28.08.2005
« Antwort #4 am: 28. August 2005, 14:25:58 »
Hallo Alex,

warum in die Ferne schweifen?
Du warst doch wegen Deinem Leerbuch auch bei einem Buchbinder.

Wahrscheinlich gibt es in Deinem Wohnort oder Umgebung auch eine Druckerei, die noch den „richtigen Buchdruck“ im Programm hat. Also, mit Hand gesetzten Lettern usw. Nix mit Computer und so.
Lass Dich da doch mal beraten.
Zum Beispiel Deinen Namen in erhabenen Lettern setzen und drucken lassen.
Man könnte auch Blinddruck sagen. Zuerst wird Dein Name ganz normal auf Papier gedruckt und dann anschließend mit einem „Blinddruck“ erhaben auf das Papier gebracht. Sieht auch schön aus.

Alles Gute
Günter

areich

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Re:Eine Spur von gutem Benehmen. Bericht in der WamS vom 28.08.2005
« Antwort #5 am: 28. August 2005, 16:27:25 »
Hallo Günter,

guter Tipp. :)
Besitze selbst eine Tischprägepresse für den Blinddruck meiner Initialien. Diese funktioniert mit Papier bis zu 90g. Siehe Link:  http://www.stempelwerkzeuge.de/sds.htm

Wäre also auch eine Idee, allerdings habe ich nur meine Initialien, nicht den ganzen Namen, auf die Prägeplatte gravieren lassen.

Aber innerlich tendiere ich zu der Variante mit der Lackschrift meines ganzen Namens, wäre dann nämlich mal was ganz anderes. ;)
Also, falls wer da eine Adresse hat, bitte melden.

Grüße
Alex

PS Günter: Das Leerbuch ist sehr gut geworden. Nun muß ich nur noch schreiben...
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penparadise

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Re:Eine Spur von gutem Benehmen. Bericht in der WamS vom 28.08.2005
« Antwort #6 am: 29. August 2005, 10:37:07 »
Moin Alex,

den Tip, zu Deinem Buchbinder zu gehen, hätte ich Dir auch gegeben. Der muss das geeignete Papier haben und müsste auch einen geeigneten Stahlstichgraveur in der Nähe kennen.

Nur bitte kein Lackdruck auf Bütten ... Das wäre ein Fauxpas.
Auf Büttenpapier passt - wenn man es wirklich stilvoll machen will - ausschließlich Stahlstich! Lackdruck ist nur die \"ärmliche\" Variante und ein sogenannetes \"Möchtegern\"-Druckverfahren.

Besten Gruß,
Axel
LG Axel

Montblanc-Sammler seit 1968.
Spezialgebiete:
Alles von 1906 - 1939,
Meisterstücke 1924 - 1959,
Limiteds 1992 - 2006.
bitte keine PMs schicken

areich

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Re:Eine Spur von gutem Benehmen. Bericht in der WamS vom 28.08.2005
« Antwort #7 am: 29. August 2005, 17:07:19 »
Hallo Axel,

danke für Deinen Rat. Der Buchbinder, bei dem ich war, ist zwar alteingesessen und angeblich einer der 2 einzigen in Europa verbliebenen Spezialisten, die sogenannte \"Beutelbücher\" (hatten damals die Mönche als Bibel am Gürtel) nach alter Tradition fertigen können, aber er scheint seine Preise \"auszuwürfeln\" und hat von Tinten (Wechselwirkungen im Alter mit dem Papier) sachlich wenig Ahnung!
Wüsste daher gerne jmd., der mir damit kompetent und praxisorientiert weiter helfen kann (am besten jmd., der mir die fertigen Karten zum Festpreis liefern kann, also alle Tätigkeiten selber übernimmt oder fertigen lässt).  Was den Stahlstich angeht, hast Du bestimmt Recht, hatte mich damit noch nicht auseinandergesetzt.    B)

Grüße und vielen Dank!
Alex
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areich

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Re:Eine Spur von gutem Benehmen. Bericht in der WamS vom 28.08.2005
« Antwort #8 am: 29. August 2005, 17:56:46 »
Moin nochmal,

nach längerem googlen habe ich folgende interessante Internetpräsenz gefunden: http://www.druckerey.de/.
Dort wird zwar kein Stahlstich angeboten, aber vielerlei andere sehr interessante Verfahren. Die Karten im \"Herrenmaß\" werden dort nach dem Wunsche des Kunden angefertigt und es gibt eine Probemappe, die man für EUR 10,00 bestellen kann. Beim 1. Kauf wird das Geld für die Mappe dann verrechnet. Die Präsenz bietet zudem viel Hintergrundwissen und auf Emails wird feundlich und schnell geantwortet.

Viele Grüße
Alex

Post edited by: areich, at: 2005/08/29 17:59
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karlo

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Re:Eine Spur von gutem Benehmen. Bericht in der WamS vom 28.08.2005
« Antwort #9 am: 29. August 2005, 18:57:20 »
Den Link merk ich mir.
Das klingt nach alter Handwerkskunst.

Karlo

hotap

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Re:Eine Spur von gutem Benehmen. Bericht in der WamS vom 28.08.2005
« Antwort #10 am: 29. August 2005, 20:09:27 »
Hallo Alex,

gehört zwar nicht ganz zum Thema, aber…

Ich weiß, es ist nicht böse von Dir gemeint.;)
 
Zitat
und hat von Tinten (Wechselwirkungen im Alter mit dem Papier) sachlich wenig Ahnung!

Aber dafür ist ein Buchbinder nicht da und auch nicht ausgebildet. Der Buchbinder muss allerdings Ahnung von der Beschaffenheit des Papiers, der Laufrichtung des Papiers usw. haben , um damit ein Buch (ggf. in Zusammenarbeit mit dem Buchdrucker) für die Ewigkeit herzustellen.
Wie Dein Leerbuch. :)
Aber nicht, was auf dem Papier gedruckt oder geschrieben ist.

Kurz und einfach gesagt:
Der Schriftsetzer setzt,
der Buchdrucker druckt
und
der Buchbinder fertigt aus der Loseblattsammlung des Druckers ein Buch.

  :kiss: Nichts für Ungut Alex, ist auch nicht böse von mir gemeint, aber den Kollegen musste ich jetzt erstmal etwas in Schutz nehmen.

Aber ich finde es prima, das Du Dich für diese „Sachen“ interessierst und Dir auch diese „Sachen“ bei Gefallen anschaffst. Also großes LOB.

Viele Grüße
Günter
gelernter Buchbinder, der aber keine Möglichkeiten hat, Bücher einzubinden, da aus dem Berufsleben ausgeschieden.

areich

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Re:Eine Spur von gutem Benehmen. Bericht in der WamS vom 28.08.2005
« Antwort #11 am: 29. August 2005, 20:53:19 »
Hallo Günter,

also soooo vernichtend war das nun auch nicht gemeint. :laugh:  Allerdings ist dieser Buchbinder auch, oder besser durch seine Auftragslage vor allem, Buchrestaurator, und von diesem Beruf sollte man das schon voraussetzen können. Er lehnt die handschriftliche Beschreibung von hochwertigen Leerbüchern zugunsten des Buchdruckes fast grundsätzlich ab, und zwar mit den Begründungen: Tinte währt nicht ewig im Erscheinungsbild und verursacht zudem noch den Verfall des Papiers. Etwas sauer war ich dann, als er meine Dr. Jansen Tinte mit Pelikan und Lamy Schulpatronentinten gleichstellte und mich kaum zu Wort kommen ließ. Also: Ich bin an aller Art von Kunst rund ums Schreiben und rund um deren Accessories interessiert und meine Absicht ist es natürlich nicht, den Beruf des Buchbinders oder Restaurators in irgend einer Weise nicht zu würdigen! :) Ich war nur einfach nicht so zufrieden, wie ich gerne zufrieden gestellt werden wollte.

Ich habe mich über dieses Thema mit echten Experten auseinandergesetzt, hier die E-Mail Korrespondenz (lieber Michael: es wurde abgesprochen, daß ich die Mails posten darf! :) ), damit hier alle Interessierten etwas von meinen Recherchen haben:

1. Korrespondenz mit Herrn Prof. Dr. Wolfgang Wächter, Gründer des Zentrums für Bucherhaltung an der Deutschen Bücherei Leipzig unf Erfinder des automatisierten Papierspaltverfahrens:

Meine Frage:
Zitat
Guten Tag, sehr geehrter Herr Professor Wächter,

ich wende mich an Sie, da Sie mir gleich von mehreren Buchbindern als Spezialist empfohlen wurden. Ich selber bin Laie, habe mir aber ein Leerbuch handarbeiten lassen, um in diesem meine Memoiren handschriftlich mit Tinte niederzuschreiben. Die Buchbinder sprachen mir ihre Empfehlung auch hinsichtlich des Themas der Beschaffenheit von Tinten aus. Tintenfraß soll die Hauptursache für den Verfall wertvoller handgeschriebener Werke sein. Da Sie sich mit diesem Thema wohl sehr intensiv beschäftigt haben frage ich nun nach Ihrem Rat:

Welche erwerbbare Tinte würden Sie generell empfehlen, bzw. wie sollte ich mir eine Tinte in der Apotheke herstellen lassen? Das benutzte Papier ist ein dickeres Büttenpapier aus Italien (Hersteller mir nicht bekannt, aber gute Qualität), würde gerne einen sehr exklusiven Füllhalter zum Schreiben benutzen.

Wenn es Ihre Zeit erlaubt, würde ich mich über eine Antwort sehr freuen.

Viele Grüße

Alexander Reich


Antwort:


Zitat
Sehr geehrter Herr Reich,

aufgrund Ihrer Darstellung der Problematik, \"Memoiren\" dauerhaft herzustellen, empfehle ich Ihnen als Schreibstoff eine gute chinesische Schreibtusche. Gute Qualitäten sind chemisch ohne Probleme und überdauern die Zeiten ohne sichtbare Veränderungen. Sie sollten die Anwendung von Schreibtusche mit Ihrem Schreibgerät ausprobieren und sich vielleicht beim Verkäufer beraten lassen.

In diesem Sinn wünsche ich Ihnen eine \"flüssige Feder\" und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

Professor Dr. Wolfgang Wächter



2. Daraufhin Korrespondenz mit Herrn Dr. Jansen (De Atramentis handgefertigte Tinten)

Frage:
Zitat
Sehr geehrter Herr Dr. Jansen,

bitte gestatten Sie mir eine etwas spezielle Frage:

Ich bin seit gestern in einem kleinen Dilemma, d.h. ich weiß einfach nicht, was richtig ist.

Ich war gestern beim Buchbinder, um mir ein paar besondere Handarbeiten an meinem neuen Leerbuch ausführen zu lassen, in das ich meine Memoiren handschriftlich verewigen möchte.

Diesen sprach ich dann auch direkt auf das Thema Tinten und deren Haltbarkeit an. Der Buchbilder schilderte mir in etwas übertriebener Form, wie ich fande, vom Tintenfraß und den Vorteilen des Buchdrucks gegenüber der eigenen Handschrift in Tinte.

Tintenfraß kommt, meinen Informationen zufolge, aber wohl im erwähnenswertem Maße, nur bei Eisengallustinten vor, die mit der Zeit eine schwefelhaltige Subtanz bilden und das Blatt angreifen. Weil ich trotzdem ein wenig unsicher war, kontaktierte ich Herrn Prof. Dr. Wolfgang Wächter, Gründer des Zentrums für Bucherhaltung an der Deutschen Bücherei Leipzig unf Erfinder des automatisierten Papierspaltverfahrens, der auch freundlicherweise Antwortete und mir einen großen Teil meiner Unsicherheit nahm. Er sagt, heutige Tinten hoher Qualität verursachen äußerst selten Papierfraß und bleiben in gleicher Form über Jahrhunderte erhalten. Besonders hebte er allerdings die schwarze chinesiche Schreibtusche hervor, die sich wohl seit jeher sehr gut hält, jedoch sollte ich mit meinem Tintenfachmann Rücksprache halten. Schreibtusche ist allerdings nichts für meinen Montblanc.

Daher meine Frage: Was sagen Sie als eingesessener Fachmann über Ihre Tinten im Zusammenhang mit Tintenfraß, Dauerhaftigkeit und Farbänderung über eine längere Periode betrachtet? Welche Erfahrungen sammelten Sie?

Ist meine Tinte \"Terra di Sienna\" gut geeignet für so ein Vorhaben oder würden Sie andere empfehlen?

Würde mich über ein Statement sehr freuen, habe diese Frage auch im Forum von www.fountainpen.de gestellt, und deren User sind auch sehr interessiert an einer Antwort.

Viele Grüße

Alexander Reich


Antwort:
Zitat
Sehr geehrter Herr Reich,

vielen Dank für Ihr Mail. Bitte entschuldigen Sie, dass

ich erst heute antworten kann. Ich war im Urlaub.

Das von Ihnen angesprochen Problem ist nichts für einen

Buchbinder. Die Problematik von dem so genannten Tintenfrass

mit den Vorzügen des Buchdruck zu vergleichen ist ………..!!!!!!

Der richtige Ansprechpartner war sicherlich Prof. Dr. Wolfgang Wächter.

Mit dieser Problematik befassen sich namhafte Wissenschaftler weltweit,

da kostbarste Handschriften vom Zerfall bedroht sind.

 

Hier nun meine Stellungnahme:

Eisengallustinten - Diese sind nicht für Füllfederhalter geeignet – Finger weg.

Zum Schreiben mit der Eisengallustinte nimmt man einen Federkiel. Eine Stahlfeder

ist wegen der Säure nur bedingt geeignet - Sie rostet auf jeder Fall

wie Teufel - gegebenenfalls vergoldete Stahlfedern verwenden.

Es gibt eine unübersehbare Menge von Vorschriften und Rezepte

um eine Eisengallustinte zu herzustellen. Hierbei ist das Verhältnis von Tannin

zum Eisen(II)-sulfat und auch die Art

des Eisen(II)-sulfats wichtig. Es gibt sehr alte Koranhandschriften,

die mit einer Eisengallustinte geschrieben wurden und keinerlei Tintenfrass aufweisen.

Dagegen Sie Handschriften aus dem 19. Jahrhundert schon total zerfressen.

Weite möchte ich mich über dieses Thema nicht auslassen,

es würde den Rahmen dieses Schreibens sprengen.


Tinten für Füllfederhalter.

Hier kann ich nur von meinen Tinten für Füllfederhalter reden. Meine Tinten

verursachen auf keinen Fall einen Tintenfrass – ph-neutral. Ich nehme nur die hochwertigsten

säurefreien Farbstoffe aus europäischer Produktion (BASF, Bayer usw.) und keine

säurehaltigen Billigfarbstoffe

Diese Farbstoffe gewährleisten einen sehr hohen Tinten-Qualitätsstandard.

Diese Tinten sind bei sachgemäßer Behandlung nahezu unbegrenzt haltbar –

ebenso das mit Ihr geschrieben Wort.

Hierbei ist aber folgendes zu beachten: Alle Tinten für Füllfederhalter sind

nicht dokumentenecht d.h. auch nicht lichtbeständig. Es gibt keine

Farbstoffe für Füllfederhalter-Tinten die lichtbeständig sind.

Die so genannten Dokumenten-Tinten

Es gibt keine dokumentenechte Tinte für Füllfederhalter.

Kein Hersteller kann ein Zertifikat (welches allerdings

notwendig wäre) hierfür aufweisen.

(Ausnahme die echte Goldtinte von Nanosolutions-Hamburg)

Achtung! Alle so genannten dokumentenechten Tinten weisen folgende

Problematik auf:

1. Sie haben einen gewissen Anteil an Eisengallustinte -

   Finger weg – diese Tinten sind nicht säurefrei. Sie können

   zwar bei bestimmten Füllfederhalter verwendet werden –

   andere werden, bedingt durch die diversen verwendeten Kunststoffe

   sicherlich zerfressen.

   Keine eisengallushaltige Tinten in Füllfederhalter

2. Sie haben einen gewissen Russanteil –

    Diese Tinten zerstören den Füllfederhalter zwar nicht,

    sie können ihn allerdings verkleben oder verstopfen.

    Es ist manchmal zwingend notwendig eine solche

    lichtbeständigen Füllfederhalter-Tinte zu verwenden

    (z.B. Notare usw.) -  darum auf jeden Fall einen

    preiswerten Füllfederhalter verwenden.

Aus der Problematik von Pos. 1 und 2 ist dann das Märchen

entstanden, dass schwarze Tinten für Füllfederhalter problematisch sind –

verkleben – verstopfen usw. - ein Märchen.        

Für eine richtige schwarze Tinte für Füllfederhalter werden die gleichen

Farbstofftsorten verwendet wie für z.B. eine königsblaue Tinte. Das

Verhalten ist absolut das Gleiche. Nicht wird verstopft oder verklebt.

Diese schwarzen Tinten für Füllfederhalter weisen allerdings nicht

die totale Schwärz wie eine russhaltige oder eisengallushaltige

Tinte auf, darum sind sie jedoch vollkommen unschädlich

für den Füllfederhalter. Sie haben auch die gleiche Schreib- und

Fließeigenschaften wie z.B. eine königsblaue Tinte.

 

Chinatuschen

Diese Tuschen sind für Füllfederhalter nicht geeignet.

Finger weg – auf keinen Fall verwenden.

Gute Chinatuschen werden aus Kiefernruss und diversen

Baumharzen hergestellt. Die Herstellung ist sehr aufwändig.

Sie werden teilweise sehr lange gekocht.

Gute Chinatuschen sind außerdem relativ teuer.

Chinatuschen sind für den Pinsel und nicht für den Füllfederhalter.

Für Ihren Montblanc-Füllfederhalter empfehle ich Ihnen meine Tinten oder die

Tinten von Montblanc. Schreiben Sie unbesorgt mit diesen

Tinten Ihr Lesebuch. Wenn Sie dieses handgeschrieben Lesebuch

dann nicht wochenlang ungeschützt in die strahlenden Sonne

legen, werden sich viele Generationen später Ihre Nachfahren  

auch noch an diesem Buch erfreuen.

Noch ein Hinweis:

Die verschiedenen Tintenfarben haben auch

verschiedene Lichtbeständigkeiten. So hat z.B. Königsblau

und schwarz eine sehr geringe Lichtbeständigkeit.

Viele Grüße vom Mittelrhein

Tintenmanufaktur Jansen

DE ATRAMENTIS ®

Dr. rer. oec. Franz-Josef Jansen




Viel Spaß damit
Alex

Post edited by: areich, at: 2005/08/29 21:11

Post edited by: areich, at: 2005/08/29 21:17
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Re:Eine Spur von gutem Benehmen. Bericht in der WamS vom 28.08.2005
« Antwort #12 am: 29. August 2005, 21:15:41 »
PS: Vielleicht möchtest Du, lieber Michael, den obigen Beitrag als Artikel übernehmen. In ihm steckt insgesamt viel Fachwissen. B) Und... dieses Fachwissen paßt eher in meinen angefangenen Beitrag zum Tintenfraß im Forum-Bereich Tinte, habe hier nur Günter geantwortet.

Grüße
Alex

Post edited by: areich, at: 2005/08/29 21:19

Post edited by: areich, at: 2005/08/29 21:25
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Ragman

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Re:Eine Spur von gutem Benehmen. Bericht in der WamS vom 28.08.2005
« Antwort #13 am: 29. August 2005, 23:47:17 »
Hallo Forumsteilnehmer,
hallo Alexander,

zunächst vielen Dank für die Mühe die Du dir mit den informativen Korrespondenz-Postings gemacht hast.

Ich habe mich insbesondere aus beruflichen Gründen mit der Beständigkeit von Tinten auseinandergesetzt.

Dabei ergaben sich in Bezug auf Lichtechtheit und Wasserfestigkeit bisher folgende Favoriten (Reihenfolge nach Beständigkeit, dabei 1 und 2 sowie 3 und 4 zueinander gleich):

1.) Gutenberg Urkundentinte für Füllhalter (Eisengallus, schwarz), wird u.A. auch von der kath. Kirche für zu führende Register empfohlen und ist (oder war?) ferner im Notariatsbedarf zu bekommen, der Hersteller ist aber wohl mittlerweile insolvent;

2.) de Atramentis Urkundentinte (schwarz, Rußanteile, wird nur zur Verwendung in preisgünstigen Füllhaltern empfohlen, siehe Information von Dr. Jansen);

3.) Rohrer&Klingner Salix (blauschwarz, Eisengallus);

4.) Montblanc blauschwarz (nach Angaben in der beigepackten Befüllanleitung eine Eisengallustinte für Füllhalter);

5.) Pelikan blauschwarz (Hier habe ich keine näheren Informationen zur Zusammensetzung. Nach Auskunft von Pelikan ist aber eine Verwendung in Kolbenfüllhaltern unproblematisch und in den letzten 1 1/2 Jahren traten insoweit auch keine Probleme auf)

Die genannten Eisengallustinten werden von mir in Kolbenfüllhaltern problemlos verwendet. Die rußhaltige Tinte nutze ich seit einigen Monaten bislang ohne Schwierigkeiten in einem Patronenfüllhalter.

Nun stellt sich die Frage, wenn Dr. Jansen die Probleme in Bezug auf die Eisengallustinten aufzeigt (säurehaltig...) und zugleich Montblanc-Tinten als unproblematisch verwendbar einstuft, wie verhält es sich dann mit blauschwarzen Tinte von MB, die laut Hersteller eisengallushaltig ist ?

Wer weiß Rat...

MfG

Ragman

areich

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Re:Eine Spur von gutem Benehmen. Bericht in der WamS vom 28.08.2005
« Antwort #14 am: 30. August 2005, 09:23:19 »
Moin Ragman,

bitte lese einmal: http://www.zfb.com/download/tintenfrass_02_small.pdf

Ich würde Dir im Grunde für alle eisengallushaltigen Tinten eine Nutzung mit \"edleren\" Füllhaltern und/oder gar Sammlerstücken nicht empfehlen!
Natürlich sind diese Tinten heute weiterentwickelt und haben einen geringeren Säureanteil, aber im Laufe der Zeit wirst Du das auf jeden Fall in Deinen Füllern merken (dieser Rat ist im Grunde das Ergebnis meiner Recherche). Nicht eisengallushaltige Tinten sind heute so gut zusammengesetzt, daß man sich all diese Fragen im Grunde nicht mehr stellen muß, wobei es natürlich geringste festzustellende Unterschiede und Wechselreaktionen mit bestimmten, ein klein wenig aggressiveren Tinten (z.B. in der Farbe Rot) und den heutigen Tintenleitern, aber vor allem den älteren anfälligeren und empfindlicheren Tintenleitern, gibt. Wobei ich mich zu den älteren Tintenleitsystemen hier nicht auslassen möchte, da ich kein Fachmann dafür bin und selber in diesem Bereich nicht sammle, das können hier andere besser beurteilen.

Grüße
Alex
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